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30.09.2009

Angst vor der Hammerinflation

Auszug Artikel Die Presse am Sonntag, 20.09.2009
Die stark überschuldeten Staaten müssen nach der Krise von ihren Schuldenbergen runter – ohne Inflation wird die Talfahrt leider nicht gelingen.

Wer sich dieser Tage mit Menschen unterhält, die finanziell noch einigermaßen „flüssig“ sind, wird augenblicklich von einer beklemmenden Stimmung erfasst.  Vermögende kennen derzeit keine größere Sorge, als ihre Knete so schnell wie möglich in sichere Häfen zu lotsen, um sie dort vor dem rücksichtslosesten aller Räuber in Schutz zu bringen: der Inflation. Der deutsche Wirtschaftsforscher Thomas Straubhaar prognostiziert den Europäern ab 2011 eine „Hammerinflation“: Das Geld werde um fünf bis zehn Prozent an Wert verlieren. Unumstritten ist, dass die über beide Ohren verschuldeten Nationalstaaten nach der Krise von Ihrem Schuldenberg runter müssen. Fest steht, dass es ohne Inflation nicht geht. Laut EU-Kommission werden die Mitgliedsstaaten bis 2020 im Schnitt mit 125 Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet sein (einige mit 200 Prozent). Allein das kleine Österreich wird in den nächsten fünf Jahren 80 Milliarden Euro an Schulden aufnehmen – im besten Fall. Diese Summe entspricht dem Vierfachen der jährlichen Mehrsteuereinnahmen.

Idioten des Jahrzehnts.
Zudem wissen die Finanzminister, dass es politisch weit weniger riskant ist, die Notenpresse anzuwerfen als die Mehrwertsteuern spürbar zu erhöhen oder (Sozial-) Ausgaben zu kürzen. Weshalb die Sanierung der Budgets auf das Konto jener gehen wird, die Geld zur Seite gelegt haben. Diese Menschen sind dann auch die ungekrönten Vollidioten des Jahrzehnts: Nachdem ihnen der Staat beim Aufbau ihres Vermögens die Hälfte weggesteuert hat, droht ihnen nun die von staatlicher Hand geplante Geldentwertung den letzten Rest aufzufressen. Wer in den vergangenen Jahren gespart statt ausgegeben hat, weiß nur noch einen starken Verbündeten an seiner Seite – die Europäische Zentralbank. Nun dürfen wir einmal raten, wie lange die (von den verschuldeten Staaten nominieren) Notenbanker in den EZB dem Druck der Politik noch standhalten werden, doch endlich eine „kontrollierte“ Inflation zuzulassen – so schnell kann aus absurdem Verfolgungswahn berechtigte Angst werden.

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